Kinderprojekte - Archiv

Netzwerk Baukultur

Träger
JAS – Jugend Architektur Stadt e.V.
Kooperationspartner
StadtBauKultur NRW, plan09, Montag Stiftung Urbane Räume, Finnland-Institut in Deutschland, Arts Council of Helsinki Metropolitan Region, Finland, KAP Forum, TU Dortmund, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Thema
Baukultur-Vermittlung
Art
Symposium, Workshop
Ort
Köln
Laufzeit
Symposium 25. September 2009
Workshop 26. bis 30. September 2009
Info
» www.jugend-architektur-stadt.de
» www.playce.org

 

Netzwerk Baukultur

Im Rahmen eines internationalen und interdisziplinären Symposiums, das am 25. September 2009 statt fand, sollten Erfahrungen über Methodiken, Zielgruppen und Themen der baukulturellen Vermittlungsarbeit ausgetauscht sowie Ideen zur Weiterentwicklung und Verankerung von Bildungs- und Beteiligungsansätzen diskutiert werden. Einblicke in ihre Bildungsarbeit gaben dabei Referentinnen und Referenten u. a. von der finnischen Architekturschule für Kinder und Jugendliche ARKKI, von Formlab Norsk Form in Oslo, dem London Open House und der Architekturstiftung Östereich. Aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet wurde auch die Frage, was baukulturelle Bildung bei Kindern und Jugendlichen bewirken kann.

Die interdisziplinäre Veranstaltung richtete sich vor allem an Architekten/innen, Planer/innen, Pädagogen/innen und Künstler/innen. Weitere Programminformationen unter www.jugend-architektur-stadt.de.

Verknüpft ist das Symposium ferner mit einem internationalen Workshop, der vom 26. bis 30. September 2009 in Zusammenarbeit mit Kölner Schulen durchgeführt wurde. Im Rahmen eines Hands-on-Workshops sollten Kinder und Jugendliche an das Thema Baukultur herangeführt werden. Betreut wurden sie durch ein internationales Team aus Fachleuten, die sich in der internationalen Organisation PLAYCE zusammengefunden haben, um Erfahrungen in der baukulturellen Bildungs- und Beteiligungsarbeit auszutauschen.

» Rückblick Symposium
Technik und Konstruktion, Ästhetik und Kunst, Architekturvermittlung und Pädagogik, aber auch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommen zusammen, wenn es darum geht, Themen des Stadtplanens und Bauens der Öffentlichkeit zu vermitteln und Kinder und Jugendliche mit einzubeziehen. Die baukulturelle Bildungslandschaft ist bereits auch in diesem Sektor sehr vielfältig. In Deutschland und insbesondere international gibt es herausragende Ansätze für baukulturelle Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche.

Das war Grund und Anlass, einen Erfahrungsaustausch im Rahmen eines internationalen und interdisziplinären Symposiums zu initiieren, um Methodiken, Zielgruppen und Themen der baukulturellen Vermittlungsarbeit im Sinne des „Voneinander Lernens“ zu diskutieren. Aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet wurde u. a. im Rahmen des Symposiums die Frage, was baukulturelle Bildung bei Kindern und Jugendlichen bereits geleistet hat.
Neben Erfahrungsberichten und Fachvorträgen haben knapp 100 Teilnehmer aus sechs Ländern, in fünf Arbeitsgruppen Ansätze zur Gestaltung von Kursangeboten und zu Baukulturprojekten in Schulen ausgetauscht sowie Erfahrungen zur Bildungsarbeit mit Jugendlichen, Erwachsenen und Lehrern diskutiert.
Im Anschluss an das Symposium fanden vier dreitägige Workshops an Kölner Schulen statt.

DAS SYMPOSIUM
Der gebaute Raum: Architektur, Städtebau, Freiraumplanung, Innenarchitektur und Design prägen in Form gebenden Prozessen und Objekten unsere Umwelt und unser tägliches Leben. Sie sind Ausdruck unserer Kultur und werden oft nur unbewusst, oder gar nicht von uns wahrgenommen und ganz selbstverständlich in Anspruch genommen – in erster Linie von Kindern. Um Kindern ein Wissen um die ästhetischen, technischen und funktionalen Belange des gebauten Raums zu vermitteln und ihnen einen verantwortungsvollen, selbstbewussten und kreativen Umgang mit der gebauten Umwelt zu ermöglichen, ist es wichtig, den Dialog mit ihnen zu intensivieren über ihre Sicht auf die gebaute Umwelt. Sehen lernen und verstehen lernen sind in der Vermittlungsarbeit zwei wesentliche Aspekte. Die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen muss jedoch auch die Kreativität und Ausdrucksmöglichkeit der Kinder fördern und individuelle Ideenentwicklung unterstützen und Verständnis für Gestaltung und Design vermitteln. Methodiken und Ansätze der Vermittlungsarbeit wurden über vielseitige Beispiele aus der Praxis im Rahmen des Symposiums vorgestellt und in Arbeitsgruppen diskutiert.

DIE VORTRÄGE

Barbara Feller aus Wien eröffnete die Fachtagung mit ihrem Vortrag „ Vernetzung und Förderung der baukulturellen Bildung“ und stellte Erfahrungen und Beispiele aus Österreich vor, die in den letzten Jahren verstärkt auf Vernetzung baukultureller Bildungsakteure setzen.
Vicotoria Thornton aus London stellte die Institution London Open House vor und präsentierte Projektansätze, wie zum einen Öffentlichkeitsarbeit für Themen der Architektur und des Städtebaus betrieben und zum anderen mit verschiedenen Zielgruppen  gearbeitet wird. Ein besonderer Focus liegt derzeit auf dem Thema „Jugendliche und ihre Ansprüche an die gebaute Umwelt“.
Pihla Meskanen, Gründerin der ARKKI, School of Architecture for Children and Youth in Finnland berichtete eindrucksvoll über die Herausforderungen aber auch die langjährigen Erfolge in der Architekturvermittlung an Kindern und Jugendlichen.

Ihrem Vortrag folgte ein Bericht von Ute Reeh, freie Künstlerin aus Düsseldorf über ihre Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung von Schulen (Schulräumen) und Schulhöfen. Wie die Kinder „mitbestimmen“, „mitgestalten“ und „mitverantwortlich“ für die jeweiligen Projekte waren und im Laufe der Arbeit geworden sind, waren wesentliche Aspekt ihres Vortrages. Diese Themen prägen auch die Museumspädagogik des Architekturmuseums Stockholm. Madelene Beckman zeigte wie Architekturvermittlung in einem hierfür bestimmten gebauten Raum erfolgen kann und welche Hilfsmittel und Übungen sie hierfür nutzt.
Dr. Angela Uttke stellte anschließend in ihrem Vortrag die Frage nach dem Einfluss baukultureller Bildungsangebote. Eine Reihe von Forschungsprojekten liefern hier erste Antworten, ohne dass dieses Forschungsfeld derzeit ausreichend bearbeitet wird. Abschließend stellte Päivi Kataikko, Vorsitzende von JAS e.V. einen Auszug aus dem Arbeitsfeld und den Arbeitsmethoden des Vereins vor.

Die Vorträge (teilweise Englischsprachig) können als PDF-Dokument von folgender Webseite geladen werden:
www.jugend-architektur-stadt.de/aktivitaeten_veranstaltung.html

» Rückblick Arbeitsgruppen
DIE ARBEITSGRUPPEN

Im Anschluss an die vielfältigen Vorträge folgte ein Erfahrungsaustausch mit fünf Themenschwerpunkten:

  1. Kursangebote gestalten
  2. Baukultur in der Schule
  3. Freizeitangebote für Jugendliche
  4. Lehrerfortbildung etablieren
  5. Baukultur für Jedermann

Gemeinsam wurden in fünf Arbeitsgruppen Methodiken der baukulturellen Bildung diskutiert. Zentrale Fragestellungen in allen Arbeitsgruppen waren:

  1. Welche Methoden der Baukulturvermittlung haben sich bewährt?
  2. Welche Themenstellungen werden aufgerufen?
  3. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen (Pädagogen, Designer, Künstler, Planer, Streetworker, Sozialarbeiter etc.)?
  4. Welchen Einfluss haben baukulturelle Bildungsangebote auf die Zielgruppen?

Arbeitsgruppe „Kurse gestalten“
Moderation: Pihla Meskanen (ARKKI, Finnland), Madelene Beckman (Architekturmuseum Stockholm, Schweden)
Protokoll: Alexandra Sinz (JAS)
In dem Workshop "Kursangebote gestalten" wurden Strategien zur Erstellung von Kursangeboten der baukulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche vorgestellt.
Auf der Grundlage von sechs wesentlichen Aspekten für die Angebotsentwicklung - Zielgruppenbestimmung, Suche eines Hauptthemas, Erstellen der Projektziele, Auswahl der Methodiken, Wahl der Länge des Projektes, Bestimmung der Werkzeuge und Materialien sowie Überlegungen zum tatsächlichen Ergebnis - wurde in drei Arbeitsgruppen zu dem gemeinsam ausgewählten Thema "Architektur und Zeit" gearbeitet.
Neben Kindern aus der Vorschule, wurde für Kinder und Jugendliche von 6-12 Jahren sowie von 12-16 Jahren ein Kursangebot von je einer der Arbeitsgruppen konzipiert. Die drei sehr unterschiedlichen Ergebnisse wurden vorgestellt und in gemeinsamer Gruppe beraten. Im Kern wurden die Themenbereiche "Tierbehausungen im Jahreszeitenwechsel", "Wohnen von Urmenschen und modernem Mensch im Vergleich" und "Unterschiede der Architektur im späten 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert und 21. Jahrhundert" behandelt.

Arbeitsgruppe „Baukultur in der Schule“
Moderation: Ute Reeh (Freie Künstlerin, Düsseldorf), Frederick Dauber (JAS)
Protokoll: Irene Plachetka (JAS)
Die Teilnehmer, vorwiegend Planer/Architekten, wählten das Thema, entweder weil Sie schon in den Schulen/Schulbetrieben Veranstaltungen/Aktivitäten durchführten oder die Notwendigkeit dessen erkannten und sich hier gerne engagieren wollen. Die Diskussionsschwerpunkte lagen bei der Suche nach Ansätzen, wie man „Baukulturelle Bildung“ im Schulunterricht verankern kann. Drei wichtige Punkte wurden herausgestellt:
1.) Die Anfragen/ das Interesse an baukultureller Bildung kommt oft aus dem „Leidensdruck“ etwas Raumbildendes an der Schule unternehmen zu müssen oder zu wollen;
2.) Methodiken in der Vermittelung von baukultureller Bildung müssen gesammelt, ausgetauscht, ausprobiert und verbessert werden. Hierfür benötigt man Veröffentlichungen/Bücher und Netzwerke.
3.) Durch eine sorgfältige Definition der Inhalte von baukulturellen Bildung kann und muss eine Qualitätssicherung gewährleistet werden. Ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung ist auch die Frage der Finanzierung und Vergütung der Veranstaltungen.
Das Fazit der Diskussion war: Der Bedarf und Interesse an baukulturellen Bildung ist im Bildungsbetrieb vorhanden. Eine erfolgreiche Strukturierung ist das kurzfristige Ziel für die nahe liegende Zukunft. Langfristig sollte die baukulturelle Bildung, wie schon in anderen Ländern, in den Schul-Curricula verankert werden.

Arbeitsgruppe „Freizeitangebote für Jugendliche“
Moderation: Victoria Thornton (London Open House, UK), Pia Degenhardt (JAS)
Protokoll: Maria Wagner (JAS)
Das Ziel der Arbeitsgruppe war es Programme für Jugendliche, informelle Lern- und Versammlungsprogramme und Projekte zu diskutieren. Da alle Teilnehmer der Arbeitsgruppe schon Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen hatten, lag der Fokus des Interesses auf verschiedenen Methoden, wie Jugendliche für Projekte und Programme angesprochen, mit ins Boot geholt werden können und ihre Interessen angesprochen werden, ebenso, wie die Zusammenarbeit mit Jugendlichen gestaltet werden kann, damit für alle Beteiligten ein erfolgreiches Ergebnis angesteuert werden kann.
Die Diskussion ergab, dass für jedes Partizipationsprojekt die Ansprache an die Jugendlichen immer individuell auf die Situation angepasst werden muss, um Bedürfnisse und Ansprüche von Jugendlichen zu erfahren und sie zu einer Zusammenarbeit motivieren zu können. Um Zugang zu den Jugendlichen zu erhalten, muss man ihnen in ihrer Welt begegnen. Sie müssen sich gefragt fühlen, dann entwickeln sie Stolz für ihre Arbeit im Projekt. Die Themen der Projekte im Einzelnen sind oftmals nicht so entscheidend. Viel wichtiger und interessanter für die Jugendlichen ist es, dass ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird und sie die Chance haben, sich und ihre Meinung vor einem Publikum zu präsentieren und dass ihre Meinungen und Äußerungen ernst genommen werden.

Arbeitsgruppe „Lehrerfortbildung etablieren“
Moderation: Jaana Räsänen (Arts council of Helsinki Metropolitan Region, Finland), Silke Edelhoff (JAS)
Protokoll: Stephanie Ludwig  (JAS)
Die Gruppe stellte die Frage, wie Lehrer in die Förderung von baukultureller Bildung an den Schulen einbezogen werden können. Damit sich baukulturelle Inhalte an den Schulen etablieren, ist die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Planern zwingend erforderlich. Eine inhaltliche Unterstützung durch die Fachleute aus Architektur und Stadtbau ist wichtig – vor allem gilt es aber, Lehrern die Angst zu nehmen, sie wüssten zu wenig über das Thema. Es wurde festgehalten, dass baukulturelle Bildung die alltägliche Auseinandersetzung mit dem gebauten Raum meint, die Stärkung der Wahrnehmung von selbigem und nicht Themen rund um geschichtliche Kontexte und Baustile. Des Weiteren hielt die Gruppe fest, dass sich das Thema Architektur sehr gut eignet um fächerübergreifend an den Schulen zu arbeiten, indem Gebäude als Anschauungsobjekte für verschiedene Lerninhalte dienen.

Arbeitsgruppe „Baukultur für Jedermann“

Moderation: Ulrike Rose (StadtBauKultur NRW) und Gabriele Richter (AKNW)
Protokoll: Sebastian Schlecht (JAS)

Die Vermittlung von „Baukultur für Jedermann“ wurde von Frau Rose anhand der Kampagne SEHEN LERNEN und der Aktion SEHSTATION und von Frau Richter mit einem für die Baukulturvermittlung an Schulen produzierten Film eingeleitet.

Durch das Spektrum der Beispiele wurde deutlich, dass das Thema der Baukulturellen Bildung in den unterschiedlichsten Schichten und Zielgruppen individuell platziert werden muss. Das wurde auch in der folgenden Diskussion formuliert. Die Qualität unserer gebauten Umwelt hängt eng mit der Sprachfähigkeit der Menschen bezüglich baukultureller Belange zusammen.
Deutlich wurde dabei, dass die Baukulturelle Bildung nicht nur als Bildungsauftrag in den pädagogischen Bereich fällt. Um das Ziel, eine Steigerung der Qualität der gebauten Umwelt, zu erreichen, muss eine Qualitätssicherung in den Entscheidungsprozessen der Kommunen durch Baukulturelle Bildung unterstützt werden. Mit der Vermittlung der Inhalte und der Prozesse der Baukultur werden mit der Steigerung des Bildungsstandes auch die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die gebaute Umwelt und ihre Entstehungsprozesse verbessert.

PLAYCE-SCHULWORKSHOPS
Dem Symposium folgend fanden vier Workshops an Kölner Schulen mit  Schülern der Jahrgangstufen 9 – 12 statt. Unter dem Motto „Meine Stimme – eine Stimme“ wurde die Gestaltung der Umwelt durch Jugendliche thematisiert. Betreut wurden sie dabei durch ein internationales Team an Fachleuten der Organisationen PLAYCE und JAS. Ziel war es, in enger Zusammenarbeit mit den Lehrern, Impulse für die weitere Auseinandersetzung mit Stadt und Architektur in den Schulen zu setzen.

(PLAYCE ist ein internationaler Zusammenschluss zur Förderung des Interesses von jungen Menschen am gebauten Raum. Die internationale Organisation wurde 2004 in Finnland unter der Schirmherrschaft der Alvar Aalto-Akademie gegründet und vereint Mitglieder aus 15 europäischen Ländern sowie Japan und den USA. Ziel des Netzwerkes ist es, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und den fachlichen Austausch durch internationale Projekte, Tagungen und Workshops zu fördern.)

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