| Nomad City Passage |
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Träger
Oliver Gather, Rebekka Reich
Kooperationspartner
StadtBauKultur NRW
Thema
Vermittlung, privater Raum
Art
Zeltlager
Ort
Köln
Laufzeit
25. September bis 02. Oktober 2009
Info
» www.ncp-koeln.de
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Nomad City Passage war ein durch die oberen Etagen Kölns wandernder Zeltplatz. An sechs Nächten Festivalzeit suchte Nomad City Passage Gebäude auf, die als Landmarks in der Kölner Stadtlandschaft stehen. Bürger und Besucher der Stadt waren eingeladen, für eine Nacht ihren heimischen Schlafplatz mit einem dieser Orte zu vertauschen. Es wurde das Innenleben der Architektur erkundet, zu der auch ihre Nutzer gehören. Sie waren als Gastgeber aktiver Bestandteil des Projekts. Während der Übernachtung fand aufgrund der jeweiligen persönlichen Verbundenheit mit dem Ort – sei es auf Gastgeberseite durch den beruflichen Alltag oder auf Teilnehmerseite durch die Ungewöhnlichkeit des Schlafplatzes – ein intensiver Austausch statt. Dieses Wechselspiel von Perspektiven schaffte eine neue Querverbindung zwischen Menschen und Räumen der Stadt. Es formte eine Basis für eine lebendige Stadtlandschaft und Identifikation.
HINTERGRUND
Auch in Köln löste der Bau von Hochhäusern kontroverse Diskussionen aus. Die Stadt wollte ursprünglich vier bis zu 120 Meter hohe Bürotürme auf dem Dom gegenüberliegenden Rheinufer bauen lassen. Doch weil die Unesco dadurch die Wirkung des Doms gefährdet sah und mit dem Entzug des Welterbe-Titels drohte, hat der Rat seine Planung aufgegeben. „Angesichts eines Bautyps, der wie kein anderer mit Symbolkraft besetzt ist, der auch wie kein anderer Auswirkungen für sein städtisches Umfeld mit sich bringt, kochen die Emotionen hoch.“(koelnarchitektur.de) Seit ein paar tausend Jahren richten Menschen Steine und Pfähle auf, um ihre Toten zu ehren. Offenbar ist die pathetische Aufrichtung ein Zeichen gegen den Tod, der als Fallen und Versinken in die Erde vorgestellt wird. An wichtigen Orten aufgerichtete Dinge, besonders Masten und Türme, werden - nicht nur angesichts des Todes - genutzt, das Leben, den Aufstieg, die Macht zu betonen. Das Bedeutende wird der Erde entrückt und damit aus der Nähe des Betrachters genommen, unnahbar gemacht, d.h. unsterblich.
Die oberen Etagen bieten einen erhabenen Überblick über die Stadt, über das Geschehen. Gleichzeitig sind sie wie kaum ein anderer Ort der Stadt von vielen Stellen in der Stadt aus sichtbar. Egal wo man sich im Dickicht der Straßen befindet, immer wieder taucht ein Sichtbezug zu einem ihrer Türme auf. Die Türme einer Stadt wirken als Landmarken, geben Orientierung im Stadtraum und verleihen einer Stadt ihre Identität. Sie prägen das Abbild der Stadt. Was passiert nun auf den oberen Etagen, an diesen außergewöhnlichen Orten? Mit welchen Funktionen werden diese speziellen Plätze besetzt?
Nomad City Passage bot den Menschen der Stadt Köln an, dieser Frage nachzugehen, mehr noch, die Orte mit ihrer Präsenz zu füllen und in ihre persönliche Biografie einzuflechten, indem sie diese für eine Nacht bewohnen.
Das Verlagern eines der intimsten Handlungen des Menschen – den Schlaf – an repräsentative und exzeptionelle Orte einer Stadt, wie ihre obersten Geschosse, schafft Zugehörigkeit und eine eigene und neue Perspektive des einzelnen Bürgers auf diese Plätze. Das Zeltaufschlagen unterstreicht die persönliche Aneignung des fremden Raums. Im Schlaf geben wir die Kontrolle auf, wir überlassen uns dem Raum. Der Ort wird Teil der persönlichen Biografie.
Indem Nomad City Passage besondere Orte der Stadt Köln für ihre Bewohner zu einer Zeit, in der diese normalerweise für sie nicht zugänglich sind, öffnet, greift das Projekt das Bedürfnis nach dem Entdecker-Erlebnis durch Reisen auf, holt es zurück in die eigene Stadt, vor die eigene Haustür und deutet damit den Stadtraum um. Da jeder der Türme durch seine Funktion und Geschichte in einem anderen inhaltlich und gesellschaftlichen Zusammenhang steht, tritt der Teilnehmer durch die Entscheidung, welcher Zeltplatz ihn interessiert, bereits mit der Buchung in den Diskurs des Projektes ein. Die vertikalen, hierarchischen Positionierungen der Wertesysteme werden mittels der horizontalen Position des Schlafs auf der obersten Etage auf einfache wie eindringliche Weise wahrgenommen. |
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