Temporäre
Stadt an besonderen Orten

 

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Symposium & Workshop Pécs 2009
© Maria Eickhoff/Päivi Kataikko

RÜCKBLICK Symposium & Workshop | Istanbul 2009
Trinationales Labor für Experimente auf Zeit
Mit mehr als 12 Millionen Einwohnern ist Istanbul (vormals: Byzanz, Konstantinopel) eine der größten Städte der Welt; die schnell wachsende Metropole an der historischen Schnittstelle von Europa und Asien blickt auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück, in der sich die Stadt – nicht nur dem Namen nach – immer wieder neu erfunden hat. Im Kulturhauptstadtjahr möchte Istanbul nicht nur seinen ganzen kulturellen Reichtum präsentieren, sondern eine Reihe neuer urbaner Projekte auf den Weg bringen, zum Beispiel am Goldenen Horn, einer ca. sieben Kilometer langen Bucht in der Westhälfte der Stadt.
Die vielfach noch vorhandenen historischen Militär-, Industrie- und Hafenanlagen sollen nun nach und nach zu lebendigen Stadtquartieren entwickelt werden; dabei könnte die Kreativwirtschaft – wie in Pécs und im Ruhrgebiet – als Motor künftiger Stadtentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Grundlegend für diesen städtebaulichen Diskurs ist außerdem die Integration angehender Planer und Architekten. Junge Studenten entwerfen Visionen für mögliche städtebauliche Neuorientierungen in diesem einzigartigen Stadtgebiet.

Städtebauliches Symposium
In einem zweitägigen, international besetzten Städtebausymposium an der Istanbul Bilgi University am 12. und 13. November 2009 erhielten die Studierenden der kooperierenden Hochschulen aus Deutschland, Ungarn und der Türkei sowohl Anregungen zu inhaltlichen Schwerpunkten für die Neuordnung des Wettbewerbsareals als auch nützliche Hintergrundinformationen über die städtebauliche Entwicklung Istanbuls. Ausgehend von einer Präsentation zur Geschichte des Goldenen Horns diskutierten die Teilnehmer neue, langfristige Nutzungen sowie innovative Themen für das Kulturhauptstadtjahr 2010.
Das Goldene Horn ist einer der prominentesten Stadträume Istanbuls, obwohl die Ufer der Bucht für lange Zeit vor allem industriell genutzt wurden. Erst mit dem Rückzug der Industrie wandelte sich das Bild: zum Teil entstanden attraktive Freiflächen mit einer Vielzahl von Freizeiteinrichtungen und Parks. An anderer Stelle siedeln sich vermehrt Kultureinrichtungen und Branchen der Kreativwirtschaft an. Das Ziel ist, diese Anziehungskraft des Areals in Zukunft zu stärken. Die Vorträge befassten sich daher unter anderem mit den Möglichkeiten zur Qualifizierung und Integration des Gebietes, aber auch mit der Frage, welche gesellschaftlichen Funktionen dem öffentlichen Raum im Allgemeinen zukommen. Durch seine besondere geographische Lage könnte am Goldenen Horn eine Art Rückgrat für ein einzigartiges "Kultur-Dreieck" in Istanbul entstehen (Zitat: Prof. Zeynep Elil, Yildiz Technical University).

Aufgabenstellung
Der Fokus des Studentenwettbewerbs Temporäre Stadt an besonderen Orten in Istanbul lag auf der Halic Werft am östlichen Ufer des Goldenen Horns. Die Werft, die teilweise noch in Betrieb ist, blickt auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurück und dient im Kulturhauptstadt-Sommer 2010 als Austragungsort für zahlreiche kulturelle Events. Die Aufgabenstellung für den Wettbewerb sah die Verknüpfung einer langfristigen Vision einer städtebaulichen Neuordnung des Gebietes mit einer temporären Intervention im öffentlichen Raum vor. Dadurch soll die Transformation dieses traditionsreichen Stadtraums am Goldenen Horn zu einem kulturellen Mittelpunkt der türkischen Metropole eingeläutet werden. Die Studenten wurden aufgerufen, einen städtebaulichen Entwurf für das Gelände der Halic-Werft einzureichen, der die unterschiedlichen Nutzungsoptionen berücksichtigt und auf eine lebendige, anspruchsvolle Raumkultur hin ausgerichtet ist.

Workshop
Ca. 60 Studenten der sechs Universitäten aus Deutschland, Ungarn und der Türkei nahmen vom 14. bis 17. November 2009 an einem an der Yildiz Technical University stattfindenden Workshop teil. Die Teilnehmer widmeten sich in acht verschiedenen Arbeitsgruppen und unter Anleitung der betreuenden Dozenten der Erkundung und Analyse des Planungsareals hinsichtlich neuer städtebaulicher Entwicklungen. Auch hier war der Laborcharakter des Workshops entscheidend: Die Arbeitsgruppen bekamen im Vorfeld kein abgestecktes Entwurfsziel an die Hand, sondern konnten Schwerpunkte aus den eigenen Beobachtungen und Analysen heraus frei entwickeln. Die Studierenden haben das Gebiet in interdisziplinären und –kulturellen Gruppen auf verschiedene Themen hin analysiert (Zugänge, Nutzungen, etc.) und ihre Ergebnisse anschließend der Kulturhauptstadt Istanbul 2010 vorgestellt.

Wettbewerb
Das Goldene Horn ist einer der prominentesten Stadträume der Millionenmetropole Istanbul. Durch den allmählichen Rückzug der Industrie entstanden an den Ufern der Bucht attraktive Freiflächen und Parks. An anderer Stelle siedeln sich inzwischen Kultureinrichtungen und Branchen der Kreativwirtschaft an.
Der Fokus des Projekts Temporäre Stadt liegt auf der Haliç-Werft im Osten des Goldenen Horns. Die Werft, die teilweise noch in Betrieb ist, dient im Kulturhauptstadt-Sommer 2010 als Austragungsort für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen. Mit "Floating Surfaces" (Ceyda Cihangir, Fazil Efe ?lgen (Istanbul Bilgi University) und Duygu K?r??o?lu, Müge Yorganc? (Y?ld?z Technical University) wird hier im Juni 2010 ein studentischer Entwurf temporär umgesetzt, der die traditionell starke Verbindung der Menschen zum Wasser wieder beleben und das Areal rund um die Werft für neue Nutzungen langfristig öffnen will. "Floating Surfaces" ist darauf ausgerichtet, den ehemaligen Industrieraum einer neuen gesellschaftlichen Nutzung zuzuführen, ohne die noch sichtbaren Spuren der Vergangenheit zu leugnen oder gar zu zerstören. Im Mittelpunkt des Entwurfs steht ein Floß, dessen sechs Module je nach Einsatzbereich unterschiedlich angeordnet werden können. Es dient als Transportmittel – das Gelände soll nur über das Wasser zu erreichen sein –, kann aber auch zur Konzertbühne umfunktioniert werden. In der Konstruktion wird auf Nachhaltigkeit durch umweltfreundliche Materialien geachtet. Mit dem Betreten des Floßes eröffnet sich dem Besucher ein ungewohnter Blick auf die Werft: zwischen den drei Trockendocks, wo eine Vielzahl von Aktionen und Performances stattfinden werden, liegen mit rotem Tuch ausgekleidete Verbindungskorridore. Mittels dieser Installation werden die positiven Elemente und die baukulturellen Potenziale der Haliç-Werft hervorgehoben. Das neuartige Erleben des industriell geprägten Raumes kann den Anstoß zu einem umfassenden Imagewandel des Areals geben.

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